Neue Ansätze der Prävention: Zivile Sicherheitsforschung mit digitalem Fachforum auf dem 26. Deutschen Präventionstag

Der 26. Deutsche Präventionstag fand Aufgrund der aktuellen Pandemielage in diesem Jahr am 10. und 11. Mai ausschließlich digital statt. Die zivile Sicherheitsforschung war am zweiten Konferenztag mit dem Online-Fachforum „Zivile Sicherheitsforschung – Neue Ansätze der Prävention Teil 1 und 2“ mit dabei. Alle fünf Nachwuchsprojekte aus der Förderrichtlinie „Zivile Sicherheit – Nachwuchsförderung durch interdisziplinären Kompetenzaufbau“ gaben Einblicke in ihre Arbeiten und stellten ihre Forschungsergebnisse vor.

Banner des Deutschen Präventionstags

DPT – Deutscher Präventionstag

Teil Eins des Fachforums startete Martin Bettenworth vom Projektträger Sicherheitsforschung mit einem Überblick über das Programm „Forschung für die zivile Sicherheit“ und die Fördermöglichkeiten. Danach stellten sich zwei Projekte vor, die sich mit der „dunklen Seite“ der digitalen Welt beschäftigen:

Das Projekt „Dschihadismus im Internet (DiI)“ geht der Frage nach, wie dschihadistische Propagandavideos im Internet gestaltet sind und wie sich die unterschiedlichen Akteure damit auseinandersetzen. Dr. Christoph Günther von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erklärte, wie Bilder und Geräusche in solchen Propagandavideos entstehen, angeeignet, verfremdet und in neue Zusammenhänge gesetzt werden, um die „Macht“ dschihadistischer Medien zu brechen.

Alexandra Lux und Sandra Wittmer vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT stellten die Ergebnisse des Projekts „Parallelstrukturen, Aktivitätsformen und Nutzerverhalten im Darknet (PANDA)“ vor, in dem die Chancen und Risiken des Darknets am Beispiel des „TOR“-Browsers analysiert werden. Projektziel ist es, die Bedeutung anonymer Kommunikation und die Gefahren durch nicht kontrollierbare Netzwerke neutral zu betrachten, um hier eine fundierte Grundlage für kommende Handlungsempfehlungen zu schaffen.

Unter der Moderation von Tina Stefanova und Dr. Michael Klink vom Projektträger Sicherheitsforschung ging es mit dem zweiten Teil des Fachforums weiter.

Dr. Marén Schorch von der Universität Siegen präsentierte die Forschungsergebnisse aus dem Projekt „Zivilgesellschaftliche und betriebliche Kontinuität durch sozio-technische Vernetzung in Katastrophenlagen (KontiKat)“. Zentrale Fragestellung des KontiKat-Projekts ist, wie die Zivilgesellschaft sowie kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) auf Krisensituationen vorbereitet sind. Dabei wurden einschlägige Ergebnisse zur Notbevorratung und ein System zur Unterstützung des betrieblichen Kontinuitätsmanagements für KMU vorgestellt.

Im Anschluss präsentierten Dr. Nathalie Hirschmann und Dr. Tobias John von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster die Arbeiten des Projekts „Pluralisierung lokaler urbaner Sicherheitsproduktion (PluS-i)“. Sie erläuterten, welche Modelle der Zusammenarbeit unterschiedlicher Sicherheitsakteure (zum Beispiel Polizei, Ordnungsämter oder Unternehmen des Sicherheitsgewerbes) in ausgewählten städtischen Räumen bestehen und welche Stärken und Schwächen diese jeweils aufweisen.

Den Abschluss bildete das Projekt „Biologische Gefahren: Analyse und integrierte Einschätzung von Risiken (BIGAUGE)“. Hierbei stellte Dr. Gunnar Jeremias von der Universität Hamburg ein System zur Entscheidungsunterstützung vor. Dieses soll den zuständigen Behörden eine Hilfestellung bieten, Szenarien zu biologischen Bedrohungen zu erstellen und Notfallplanungen zu optimieren.

Download Vorträge (PDF)  

Zivile Sicherheitsforschung – Neue Ansätze der Prävention Teil 1
Forschung für die zivile Sicherheit 2018-2023
Martin Bettenworth, VDI Technologiezentrum
Wer bricht die Macht von Bildern und Klängen? Auseinandersetzungen mit Dschihadismus im Internet (Projekt DiI) 
Dr. Christoph Günther, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
PANDA – Parallelstrukturen, Aktivitätsformen, Nutzerverhalten im Darknet
Alexandra Lux und Sandra Wittmer, Fraunhofer SIT

Zivile Sicherheitsforschung – Neue Ansätze der Prävention Teil 2
Prävention durch betriebliches Kontinuitätsmanagement (BCM) in KMU und individuelle (Not-) Bevorratung in der Zivilgesellschaft (Projekt KontiKat)
Dr. Marén Schorch, Universität Siegen
Plurales Polizieren – Kein „one size fits all“ (Projekt PluS-i)
Dr. Nathalie Hirschmann, Dr. Tobias John, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Prävention und Biologische Lagen (Projekt BIGAUGE)
Dr. Gunnar Jeremias, Universität Hamburg